
In Dresden, der Landeshauptstadt des Freistaates Sachsen, fand am 2. Oktober das internationale wissenschaftliche Symposium zum Thema „Kitab-i Dede Qorqud“ im Kontext des Kulturerbes der Turkvölker und der Weltepen“ statt.
Einlader waren die Botschaft der Republik Aserbaidschan in Deutschland, die Aserbaidschanische Sprachenuniversität (ADU) und die Sächsische Landesbibliothek – Staats- und Universitätsbibliothek Dresden (SLUB). Unterstützer der Tagung waren die Botschaft und das Aserbaidschanische Kulturzentrum in Berlin-Tiergarten.
An der Veranstaltung in der Sächsischen Landesbibliothek – Staats- und Universitätsbibliothek Dresden nahmen der Herr Botschafter, Seine Exzellenz Herr Nasimi Aghayev, sowie namhafte Wissenschaftler, Forscher und Kulturwissenschaftler sowie Vertreter der Diaspora aus Aserbaidschan, Deutschland, der Türkei und Italien teil.

Katrin Stump ist Generaldirektorin der Sächsischen Landesbibliothek – Staats- und Universitätsbibliothek Dresden. Sie eröffnete das Symposium mit einem Grußwort und zeigte sich erfreut darüber, dass in Dresden erneut ein internationales Symposium diesem Epos gewidmet wurde. Sie wies darauf hin, dass die Originalhandschrift derzeit in einer Vitrine ausgestellt ist, und zwar mit der Eröffnungsseite des Abschnitts, in dem Basat Täpägöz besiegt. Katrin Stump erklärte, dass nach vielen Jahren eine hochwertige Faksimile-Ausgabe der Handschrift erstellt worden sei. Die Generaldirektorin betonte zudem, dass das Symposium als Fortsetzung der historischen, philologischen und kulturwissenschaftlichen Erforschung des Epos den neuesten wissenschaftlichen Erkenntnissen Raum gebe. Sie würdigte zugleich die enge und erfolgreiche Partnerschaft mit der aserbaidschanischen Botschaft und der Aserbaidschanischen Sprachenuniversität bei der Erforschung dieses einzigartigen Kulturerbes. Sie wies auch darauf hin: „Schon Goethe erwähnte, Orient und Okzident sind nicht zu trennen“.

Dr. Martsena Schöne aus dem Sächsischen Staatsministeriums für Wissenschaft, Kultur und Tourismus, sagte: „Dieser Ort hütet einen einzigartigen Schatz“. Sie bezeichnete die Digitalisierung der Dresdner Handschrift als beispielhaften Schritt, um altes Wissen künftigen Generationen zugänglich zu machen. Dadurch werde ein uneingeschränkter Zugang von Baku und Ankara bis zu jedem wissenschaftlichen Zentrum der Welt ermöglicht. Die Vertreterin des Ministeriums betonte, dass das Epos, die vollständigste bekannte Fassung des Nationalepos der Oghusen – der Aserbaidschaner und aller Turkvölker –, ein reiches kulturelles Erbe darstelle. Martsena Schöne betonte zudem, dass kulturelles Erbe keine Grenzen kenne, zugleich aber Brücken brauche. Das Erbe des Dede Qorqud sei über den politischen und wirtschaftlichen Rahmen hinaus zu einem Symbol der lebendigen kulturellen und wissenschaftlichen Zusammenarbeit zwischen Sachsen und Aserbaidschan geworden.

Botschafter Nasimi Aghayev erklärte bei seiner Rede, dass Kulturerbe nicht nur die Vergangenheit bewahre, sondern auch heute starke Brücken zwischen den Völkern schlage. Der Diplomat bezeichnete es als bemerkenswert, dass die einzigartige Handschrift, die zwei Weltkriege und die Erschütterungen der Geschichte überstanden habe und über Jahrhunderte hinweg bewahrt worden sei, unversehrt bis in die Gegenwart erhalten geblieben sei. Er dankte dem gesamten Team der Bibliothek für die sorgfältige Bewahrung der Handschrift. Der Botschafter betonte, dass die hohe Wertschätzung und sorgfältige Aufbewahrung dieses geistigen Schatzes in Dresden den Beziehungen zwischen Aserbaidschan und Deutschland einen besonderen kulturellen Wert verleiht.
Nasimi Aghayev hob hervor, dass die Handschrift Grenzen überschreite und Wissenschaftler aus verschiedenen Ländern an einem Ort zusammenbringe. Damit trage sie durch Kultur und Wissenschaft dazu bei, den Geist der internationalen Verständigung und Einheit weiter zu stärken.
Prof. Dr. Kamal Abdulla, der Rektor der Aserbaidschanischen Sprachenuniversität und Akademiemitglied, würdigte insbesondere den humanistischen Umgang der deutschen Orientalistik mit der orientalischen Kultur sowie die sorgfältige und wertschätzende Bewahrung dieses enzyklopädischen Denkmals in Dresden. Er verwies darauf, dass der 200. Jahrestag der ersten Veröffentlichung des Epos in deutscher Sprache auf Erlass des Präsidenten von Aserbaidschan, Ilham Aliyev, auf staatlicher Ebene begangen worden sei. Dies sei Ausdruck der hohen Bedeutung, die Aserbaidschan dem Schutz seines Kulturerbes und der internationalen wissenschaftlichen Forschung beimesse. Kamal Abdulla betonte, dass der Geist des Epos und die ihm zugrunde liegenden alten Überzeugungen weit in die Zeit vor seiner Niederschrift zurückreichten. Die Präsentation der Faksimile-Ausgabe der Dresdner Handschrift bezeichnete er als ein bedeutendes wissenschaftliches Ereignis.

Anschließend wurde die Faksimile-Ausgabe des Epos „Kitab-i Dede Qorqud“ vorgestellt. Hervorgehoben wurde, dass der hochwertige Druck der Faksimile-Ausgabe neue Möglichkeiten für die Erforschung des Erbes von Dede Qorqud eröffnen werde. Nach den Eröffnungsreden wurde das Symposium mit mehreren Podiumssitzungen erfolgreich fortgesetzt. Bei dem internationalen Symposium wurde erneut die Bedeutung der Erforschung und Verbreitung des Erbes von Dede Qorqud hervorgehoben. Die Veranstaltung leistete einen weiteren wichtigen Beitrag zur Stärkung der kulturellen und wissenschaftlichen Brücken zwischen Wissenschaftlern aus Ost und West.

Es sei darauf hingewiesen, dass die im Bestand der Abteilung für Sondersammlungen und seltene Handschriften der Sächsischen Landesbibliothek – Staats- und Universitätsbibliothek Dresden aufbewahrte Fassung von „Kitab-i Dede Qorqud“ die weltweit einzige bekannte vollständige Handschrift mit zwölf Erzählungen ist. Wann und auf welchem Weg diese einzigartige Handschrift aus dem 16. Jahrhundert nach Dresden gelangte, ist nicht genau bekannt. Bekannt ist, dass sie bereits Mitte des 18. Jahrhunderts zum Bestand der Dresdner Königlichen Bibliothek gehörte und seit dieser Zeit in den Bibliothekskatalogen verzeichnet ist.

Eine besondere Rolle bei der Bekanntmachung von „Kitab-i Dede Qorqud“ in der wissenschaftlichen Welt spielte der deutsche Orientalist und Diplomat Heinrich Friedrich von Diez. Er ließ die in Dresden aufbewahrte Handschrift 1814 zu Forschungszwecken nach Berlin bringen und eine Abschrift anfertigen. 1815 veröffentlichte er die Erzählung „Der Abschnitt, in dem Basat Täpägöz tötet“ zusammen mit seiner deutschen Übersetzung und machte das Werk damit der europäischen wissenschaftlichen Öffentlichkeit bekannt.
Text: Volker Neef und AZERTAC
Foto: Frank Pfuhl


