Mit Millioneninvestitionen, neuen touristischen Angeboten und einem erstmals vollständig schiffbaren
Seenverbund wird der Strukturwandel im Lausitzer Seenland sichtbar und für Gäste der Region.

Strukturwandel wird vor Ort erlebbar
Der Strukturwandel in der Lausitz wird zunehmend sichtbar und für Gäste unmittelbar erlebbar. Bei einem gemeinsamen Besuch der länderübergreifenden Tourismusregion haben Brandenburgs Wirtschafts- und Tourismusministerin Martina Klement und Sachsens Tourismusministerin Barbara Klepsch am vergangenen Dienstag mehrere zentrale Projekte im Lausitzer Seenland besichtigt. Erste Station waren die IBA-Terrassen am Großräschener See. Dort übergab Martina Klement einen Förderbescheid über 2,66 Millionen Euro an den Großräschener Bürgermeister André Lehnick. An der Übergabe nahmen unter anderem auch der Lausitz-Beauftragte des brandenburgischen Ministerpräsidenten, Dr. Klaus Freytag, Martin Wolf, Stellvertreter des Vorsitzenden des Zweckverbandes Lausitzer Seenland Brandenburg, sowie Kathrin Winkler, Geschäftsführerin des Tourismusverbandes Lausitzer Seenland, teil.
IBA-Terrassen: Fördermittel für den nächsten Bauabschnitt
Mit den Mitteln aus dem Strukturstärkungsgesetz soll der dritte Bauabschnitt des Campus IBA-Terrassen umgesetzt werden. Geplant ist unter anderem ein begehbarer Besucherstollen, der die Geschichte des Braunkohleabbaus anschaulich vermittelt. Gemeinsam mit einem neu gestalteten Außengelände soll er die industrielle Vergangenheit der Region mit ihrer touristischen Zukunft verbinden. Die Stadt Großräschen beteiligt sich mit rund 420.000 Euro an dem Bildungs- und Tourismusprojekt. Der Besucherstollen soll nach bisherigen Planungen 2027 eröffnet werden. Eine gläserne Energiewerkstatt, in der die Versorgung des Campus mit erneuerbaren Energien gezeigt wird, soll folgen.
Die IBA-Terrassen gelten seit rund 20 Jahren als ein besonderer Ort des Lausitzer Landschaftswandels. Die ehemalige Zentrale der Internationalen Bauausstellung Fürst-Pückler-Land wird derzeit zu einem Campus für Tourismus, Bildung, Wissenschaft, Kultur und modernes Arbeiten weiterentwickelt.
Fünf Seen erstmals auf dem Wasser verbunden
Anschließend führte der gemeinsame Besuch auf die sächsische Seite des Seenlandes. Gemeinsam mit Bernd Sablotny, Sprecher der Geschäftsführung der Lausitzer und Mitteldeutschen Bergbau-Verwaltungsgesellschaft, bestiegen die beiden Ministerinnen die Landmarke Rostiger Nagel am Sedlitzer See. Von der rund 30 Meter hohen Aussichtsplattform bot sich ihnen ein weiter Blick über die neu entstandene Wasserlandschaft. Sablotny erläuterte, wie aus ehemaligen Tagebauen Schritt für Schritt eine touristisch nutzbare Seenregion entstanden ist.

Ein besonderer Meilenstein wurde erst vor wenigen Wochen, am 29. Juni 2026, erreicht: Seitdem sind der Senftenberger, der Geierswalder, der Partwitzer, der Sedlitzer und der Großräschener See erstmals vollständig durch schiffbare Kanäle miteinander verbunden. Der neue Verbund umfasst eine Wasserfläche von rund 5.300 Hektar. Eine direkte Bootstour vom Stadthafen Senftenberg bis zum Stadthafen Großräschen führt über etwa 20 Kilometer.
Neue Perspektiven für den Wassertourismus
Neben dem bereits länger nutzbaren Koschener Kanal und dem Barbara-Kanal wurden der Sornoer Kanal, der Rosendorfer Kanal und der Ilse-Kanal für die Schifffahrt erschlossen. Der rund 1.400 Hektar große Sedlitzer See bildet dabei die zentrale Drehscheibe des neuen Verbundes. Damit entstehen neue Möglichkeiten für Sportboote, Hausboote, Flöße und künftig auch für die Fahrgastschifffahrt.
Vom Tagebau zur Urlaubsregion
Der gemeinsame Besuch machte deutlich, dass der Strukturwandel in der Lausitz nicht an der Landesgrenze endet. Brandenburg und Sachsen entwickeln die ehemalige Bergbauregion gemeinsam zu einer attraktiven Urlaubs-, Freizeit- und Wirtschaftsregion. Orte wie die IBA-Terrassen, der Rostige Nagel und der neue Fünf-Seen-Verbund erzählen dabei nicht nur von der industriellen Vergangenheit. Sie zeigen zugleich, wie aus sanierten Tagebauen neue Landschaften, touristische Angebote und Perspektiven für die Menschen in der Region entstehen. Im Jahr 1990 prägten noch aktive und stillgelegte Tagebaue weite Teile der heutigen Seenlandschaft. Unterkünfte konzentrierten sich damals vor allem auf einzelne Städte und den bereits touristisch genutzten Senftenberger See.
An vielen heutigen Seenstandorten gab es dagegen noch keine touristische Infrastruktur. Heute verfügt die länderübergreifende Reiseregion über ein breit aufgestelltes Beherbergungsangebot. Nach der jüngsten vollständigen Statistik wurden 2025 in den Mitgliedskommunen des Tourismusverbandes 134 geöffnete Beherbergungsstätten mit mindestens zehn Gästebetten oder Stellplätzen erfasst. Zusammen boten sie 5.605 Gästebetten beziehungsweise statistisch berücksichtigte Schlafgelegenheiten an. Rund 269.000 Gäste sorgten für knapp 800.000 Übernachtungen. Die durchschnittliche Aufenthaltsdauer lag bei drei Tagen, die Bettenauslastung bei 28,2 Prozent. Die aktuellen Werte verdeutlichen dennoch, wie aus einer vom Braunkohleabbau geprägten Landschaft innerhalb weniger Jahrzehnte eine eigenständige Urlaubsregion mit Hotels, Pensionen, Ferienwohnungen, Campingplätzen und wassernahen Unterkünften entstanden ist.
Weitere Infos: www.lausitzerseenland.de/
Text | Fotos: Stephan Trutschler
Quellen: TV Lausitzer Seenland, Sächsisches Staatsministerium für Kultur und Tourismus, Ministerium für Wirtschaft, Energie, Klimaschutz und Europa Brandenburg, Statistik Sachsen/Berlin-Brandenburg
