
Abseits der Strände und Promenaden der Costa Blanca verbirgt sich in Elche eine grüne Oase von außergewöhnlicher Schönheit: Der Huerto del Cura schafft mit jahrhundertealte Palmen, exotischen Pflanzen und maurische Gartenkunst ein tropisches Kulturerlebnis.
Wer an die spanische Costa Blanca denkt, dem kommen meist sonnige Strände, das Mittelmeer und lebhafte Promenaden in den Sinn. Nur wenige Kilometer von der Küste entfernt wartet jedoch ein ganz anderes Erlebnis: der Huerto del Cura. Der historische Garten in der Stadt Elche (span. Elx) zählt zu den bekanntesten Sehenswürdigkeiten der Region Valencia und ist Teil des berühmten Palmenhains von Elche, der im Jahr 2000 von der UNESCO zum Weltkulturerbe erklärt wurde. Mit seiner außergewöhnlichen Pflanzenvielfalt, seiner jahrhundertealten Geschichte und seiner ruhigen Atmosphäre bildet der Huerto del Cura einen faszinierenden Kontrast zum lebhaften Ferienalltag an der Mittelmeerküste.
Das Palmeral de Elche
Bereits beim Betreten des Gartens fällt auf, dass hier nicht nur Pflanzen wachsen, sondern ein Stück Kulturgeschichte bewahrt wird. Der Huerto del Cura ist Teil des sogenannten „Palmeral de Elche“, eines weit verzweigten Systems aus Palmenhainen, das auf die Zeit der arabischen Herrschaft auf der Iberischen Halbinsel (Al Andalus) zurückgeht. Die Mauren entwickelten ab dem 10. Jahrhundert ein ausgeklügeltes Bewässerungssystem, das es ermöglichte, in der überwiegend trockenen Landschaft rund um Elche eine einzigartige Oase anzulegen. Bis heute prägt dieses historische Kanalsystem die Gartenanlagen und macht den Palmenhain zu einem außergewöhnlichen Beispiel mittelalterlicher Landwirtschaft, das in Europa seinesgleichen sucht. Zwischen 200.000 bis 300.000 nordafrikanische Dattelpalmen wachsen heute im gesamten Palmeral und verleihen der Stadt ein unverwechselbares Erscheinungsbild.
Der Huerto del Cura und die Palmera Imperial
Der Huerto del Cura selbst umfasst zwar nur einen kleinen Teil des gesamten Palmenhains, gilt jedoch als dessen schönster und bekanntester Garten. Auf einer Fläche von rund 13.000 Quadratmetern gedeihen etwa 1.000 Palmen sowie zahlreiche mediterrane und subtropische Pflanzen. Neben Dattelpalmen wachsen hier Zitronen- und Orangenbäume, Granatäpfel, Feigen, Kakteen, Bambus und exotische Pflanzen aus aller Welt. Kleine Wasserläufe, Teiche, kunstvoll angelegte Wege und schattige Plätze laden dazu ein, den Garten in aller Ruhe zu erkunden. Das harmonische Zusammenspiel aus Wasser, Pflanzen und Licht schafft eine fast schon tropische Atmosphäre, die Besucher schnell den Alltag vergessen lässt.

Der unbestrittene Star des Gartens ist die berühmte „Palmera Imperial“, die Kaiserpalme. Sie gehört zu den außergewöhnlichsten Dattelpalmen weltweit, denn aus ihrem Stamm wachsen mehrere mächtige Seitenarme – ein botanisches Phänomen, das nur äußerst selten vorkommt. Ihren Namen erhielt die Palme im Jahr 1894 nach dem Besuch der österreichischen Kaiserin Elisabeth, besser bekannt als Sisi. Der damalige Besitzer des Gartens widmete ihr diese einzigartige Palme, die sich seitdem zum Wahrzeichen des Huerto del Cura entwickelt hat. Bis heute gilt sie als eines der meistfotografierten Motive der gesamten Region und beeindruckt Besucher durch ihre außergewöhnliche Form und ihr hohes Alter.
Doch der Huerto del Cura ist weit mehr als eine botanische Sammlung. Der Garten erzählt auch die Geschichte seiner Besitzer und der Menschen, die sich über Generationen für seinen Erhalt eingesetzt haben. Seinen heutigen Namen verdankt er dem Geistlichen José Castaño Sánchez, der das Anwesen bis zu Beginn des 20. Jahrhunderts besaß. Bereits 1943 wurde der Garten zum Nationalen Künstlerischen Garten Spaniens erklärt und später als bedeutender Bestandteil des Palmenhains von Elche unter den Schutz der UNESCO gestellt. Dieser besondere Status unterstreicht die internationale Bedeutung des Gartens als Natur- und Kulturerbe zugleich.

Auch für Botaniker und Gartenliebhaber besitzt der Huerto del Cura einen besonderen Reiz. Neben den zahlreichen Dattelpalmen beherbergt die Anlage Pflanzen aus verschiedenen Klimazonen der Erde. Mediterrane Gewächse stehen neben tropischen Arten und eindrucksvollen Kakteen. Diese Vielfalt macht den Garten nicht nur zu einem beliebten Ausflugsziel für Touristen, sondern auch zu einem bedeutenden Zentrum für den Erhalt und die Pflege seltener Pflanzen. Gleichzeitig zeigt der Huerto del Cura eindrucksvoll, wie der Mensch über Jahrhunderte hinweg eine lebensfeindliche, trockene Landschaft mithilfe ausgeklügelter Bewässerung in eine grüne Oase verwandeln konnte.
Ein Besuch des Huerto del Cura lässt sich hervorragend mit einem Rundgang durch die historische Altstadt von Elche verbinden. Enge Gassen, traditionelle Plätze und weitere Teile des weitläufigen Palmenhains vermitteln ein authentisches Bild der Stadt, deren Geschichte eng mit der Dattelpalme verbunden ist. So entsteht ein Ausflug, der Natur, Kultur und Geschichte auf besondere Weise miteinander verbindet und weit über einen gewöhnlichen Gartenbesuch hinausgeht.
Der Huerto del Cura zählt zu jenen Orten, die man nicht wegen spektakulärer Attraktionen besucht, sondern wegen ihrer besonderen Atmosphäre. Zwischen jahrhundertealten Palmen, exotischen Pflanzen und historischen Bewässerungskanälen wird deutlich, weshalb der Palmenhain von Elche zum UNESCO-Welterbe gehört. Wer sich auf diese grüne Oase einlässt, erlebt einen Ort, an dem Geschichte, Botanik und mediterrane Lebensart in außergewöhnlicher Weise miteinander verschmelzen – ein stilles Juwel an der Costa Blanca.
Text: Anika Bretschneider / Stephan Trutschler
Fotos: Stephan Trutschler
In unmittelbarer Nähe zum Huerto del Cura befinden sich zahlreiche Hotels, sowohl Privathotel als auch internationale Ketten. Weiter Informationen unter:
https://www.spain.info/de/highlights/garten-huerto-del-cura/


