Ich, Eurydike: Eurydike tanzt sich frei

Der Tanzabend „Ich, Eurydike“ feierte am 20. September eine umjubelte Premiere in der Staatsoperette Dresden. Im 70-minütigen Stück erlebt das Publikum die Reise der Hauptfigur zu sich selbst in beeindruckenden Klang- und Tanzbildern mit unglaublicher Ästhetik.

Ich, Eurydike in der Staatsoperette Dresden | © Lutz Michen
Ich, Eurydike in der Staatsoperette Dresden | © Lutz Michen

Großes Interesse nach Uraufführung und Premiere von Ich, Eurydike

Eine Uraufführung stand auf dem Programm der Staatsoperette Dresden: Zum Sommernachtsball am 19. September wurde der Tanzabend „Ich, Eurydike“ erstmals aufgeführt, einen Tag später dann die offizielle Premiere vor fast ausverkauftem Haus. Die Musik dafür lieferte der Chefdirigent der Staatsoperette, Michael Ellis Ingram, höchstpersönlich, zusammen mit dem Komponisten Paul Keilhau. Für die Choreographie zeichnet Gabriel Pitoni verantwortlich, der an der Staatsoperette bereits als Choreograph für das Musical „Simsalabim – Das magische Leben des Dr. Schreiber“ sowie für „Du bist ich“ tätig war. 

Eine neue Perspektive eines antiken Stoffs

Viele Bühnenfassungen existieren bereits zum antiken Stoff um das tragische Liebespaar Orpheus und Eurydike. Meist steht dabei der begnadete Musiker Orpheus im Mittelpunkt, der die von einem Schlangenbiss getötete Geliebte aus der Unterwelt zu befreien versucht und dabei doch kurz vorm Erreichen des Ziels scheitert, als er sich trotz Verbots nach ihr umschaut. Hier nun steht Eurydike im Zentrum der Betrachtung. Ihre Trennung von Orpheus ist nicht das Ende der Geschichte, sondern deren Anfang. Was folgt, ist ein Versuch, allein durch die Welt zu gehen, sie zu verstehen, zu reflektieren und schließlich auf eigenen Beinen und mit eigenem Willen in ihr zu bestehen – nicht angepasst, nicht als Mitläufer, sondern als Individuum.

Ästhetisch wie klanglich entwickelt sich das gesamte Stück mit seiner Protagonistin. Das Paar findet sich anfangs in einer kühlen, steifen Welt wieder, Plastikfolie überdeckt alles wie in einer verlassenen, ausgestorbenen Wohnung. Die Kostüme sind schwarz-silbern, wirken steif, erinnern an Science-Fiction-Filme. Passend dazu die Musik. Elektronische Klänge, die fast aus dem 80er Jahre Kultfilm „Tron“ stammen könnten. Doch mehr und mehr lüftet sich der Schleier der Plastikfolien, fällt die harte Schale der Kostüme, alles wird weicher und die Musik wandelt sich zu klassischeren, orchestralen Klängen. Nach und nach kulminiert die Stimmung, plötzlich mischt sich Gesang in den Tanz, der Chor füllt die Bühne und wird eins mit der Ästhetik von Bühne und Tänzern, schließlich findet auch Eurydike zu ihrer Stimme.

Tosender Applaus nach 70 Minuten Aufführung. Verdient. Es fällt schwer, hier jemanden besonders hervorzuheben. Natürlich ist es zunächst Elizabeth Iwasko mit ihrer Darstellung der Eurydike, aber es ist vor allem der Einklang aller Ebenen, die diese reichliche Stunde zu einem Erlebnis für alle Sinne werden lassen. Die ergreifende Musik, die Ästhetik und Präzision des Tanzes, die Choreografie besonders der Gruppenszenen insbesondere dann, wenn noch der Chor hinzukommt, das Bühnenbild, die Kostüme und nicht zu vergessen der klare Klang der Sopranistin Sybille Lambrich, die Eurydike hier ihre Stimme leiht. Ein Kunstwerk!

Weitere Infos zum Programm unter: www.staatsoperette.de

Text: Sabine Ulbrich

Fotos: Lutz Michen

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