Maria Theresia, Erzherzogin von Österreich, Königin von Böhmen und Ungarn, Tochter, Gattin und Mutter von römisch-deutschen Kaisern, war eine der ganz großen Figuren der europäischen Geschichte. Ihr Leben bietet die Grundlage für ein Musical, das planmäßig noch bis Ende Mai am Wiener Ronacher-Theater zu erleben ist.

Als „Mutter der Nation“ ging sie vor allem in die österreichische Geschichtsschreibung ein. Durch ihre Außenpolitik und später durch die strategische Verheiratung ihrer Kinder wirkte sie auf das Schicksal mehrerer europäischer Staaten ein. Als Frau ging sie zielstrebig ihren Weg in einer Welt, die sonst nur Männern offenstand. Sie heiratete aus Liebe und schenkte ihrem Mann 16 Kinder. Ganz nebenher regierte und reformierte sie ihr Land gegen den Widerstand vieler einflussreicher Männer.
So beeindruckend wie ihre Biografie ist auch das Musical, das seit gut einem Jahr in Wien gezeigt wird. Eigens für die Vereinigten Bühnen Wien geschrieben, handelt es sich hier jedoch nicht um einen Kostümschinken, der nur brav historische Ereignisse erzählt. „Maria Theresia“ ist ein durch und durch modernes Musical, für ein eher junges Publikum aufbereitet. Insbesondere der Anfang ist rebellisch, frech, es ertönen Rap und Hip-Hop, das Tempo ist hoch, die Kostüme sind bestenfalls historisch inspiriert. Mit Fortschreiten des Stücks wird alles ernster, braver, strenger, erwachsener.
Auch wenn die historischen Ereignisse den roten Faden für die Handlung bilden, ist doch das Hauptthema die Gefühlswelt der Hauptfiguren und deren innere Zerrissenheit aufgrund der Diskrepanz zwischen politischen Notwendigkeiten und den eigenen Wünschen. Alle Charaktere werden vielschichtig gezeichnet, dürfen mit sich selbst und den Umständen hadern, zweifeln, irren. Auch Friedrich II. von Preußen, der im Stück klar als Antagonist dargestellt wird, ist am Ende kein überzeichneter Bösewicht sondern ein Opfer der Erwartungen an seine Person und sein Amt.

So zeichnet das Musical, geschrieben von Thomas Kahry, ein eher psychologisches Abbild seiner Figuren, von Dieter und Paul Falk verpackt in eine abwechslungsreiche Musik, die von Rap bis hin zu großen gefühlvollen Balladen alles zu bieten hat. Die Kostüme spiegeln nach modernem Verständnis das Selbstbild der Figuren wider – anfangs jung und hip, später erwachsen und streng. Die bunte Welt Wiens steht im Kontrast zum strengen, schwarzen preußischen Militärstaat. Das Bühnenbild an sich ist recht schlicht gehalten, wird aber durch Projektionen und kleine Zusätze wie eine Rampe immer wieder anders in Szene gesetzt und greift so die jeweiligen Schauplätze hervorragend auf, ohne große Umbauten zu erfordern. So kann das flotte Tempo nahtlos gehalten werden.
Die Besetzung ist durchweg hervorragend. Alle fünf Hauptfiguren sind optisch wie stimmlich perfekt ausgewählt und schaffen es, die Entwicklung ihrer Charaktere über einen Zeitraum von 30 Jahren glaubhaft verkörpern. Besonders sticht dabei Annemieke van Damm als Madame Fuchs, Erzieherin und Vertraute von Maria Theresia, hervor. Letztlich ist jedoch das gesamte Ensemble großartig besetzt, bis hin zu den kleinen Rollen, die abwechselnd von Mitgliedern des Ensembles übernommen werden. Eine perfekte Gesamtleistung, eine großartige Show über eine große Frau und eine große Liebe.
Weitere Infos: www.musicalvienna.at
Text: Sabine Ulbrich
Fotos: VBW Deen van Meer

