In ihrer 75. Ausgabe präsentieren sich die Bad Hersfelder Festspiele mit einem bunten Programm, darunter die deutschsprachige Erstaufführung des Broadway-Hits „Something Rotten!“ – Parodie und gleichzeitig Liebeserklärung an das Genre Musical.

Bad Hersfelds Bühne mit großer Geschichte
Bad Hersfeld ist an sich nicht gerade ein Touristenmagnet. Zwar gibt es einen sehr hübschen Altstadtkern rings um die Stadtkirche aus dem 14. Jahrhundert und das benachbarte Renaissance-Rathaus mit gut gepflegten Fachwerkhäusern, aber die einzige wirklich bedeutende Sehenswürdigkeit ist die Ruine der Stiftskirche. Das Stift, dessen Geschichte bis auf eine Einsiedelei aus dem Jahr 736 zurückgeführt werden kann, war einst eine der größten romanischen Abteien nördlich der Alpen. Im Siebenjährigen Krieg zerstört, ist sie heute die größte romanische Kirchenruine der Welt.
Bereits im 19. Jahrhundert wurde die Ruine als Schauplatz für Festivitäten, Kulturveranstaltungen und Theater genutzt. Fest etabliert haben sich die Bad Hersfelder Festspiele 1951 unter Intendant Johannes Klein. Mittlerweile haben sich die Festspiele zu einer festen Größe im Veranstaltungskalender der Stadt entwickelt und locken zahlreiche Touristen in die Region. Immerhin finden in der Anlage je nach Bestuhlung 1.300 bis 1.600 Zuschauer Platz. Und die Vorstellungen können dank eines riesigen Zeltdaches auch wetterunabhängig stattfinden.
Jubiläumsprogramm mit Musical-Premiere
Im Jubiläumsjahr stehen insgesamt sechs Produktionen auf dem Spielplan: Parzifal, Lysistrata, Pippi Langstrumpf, Die Schule der Frauen, Achtsam Morden und die deutschsprachige Erstaufführung des Broadway-Musicals „Something Rotten!“. Letzteres stammt aus der Feder von John O’Farrell mit Liedern der Brüder Wayne und Karey Kirkpatrick und feierte 2015 Uraufführung in New York. 2023/24 war es bereits in englischer Sprache in Frankfurt am Main zu sehen. Nun also die deutsche Fassung.
Shakespeare trifft auf Musical-Chaos
Worum geht es? Die Brüder Nick und Nigel Bottom betreiben eine Theaterkompagnie in London. Leider will sich der Erfolg nicht so recht einstellen, ist die Konkurrenz in Person eines gewissen William Shakespeare, gewissermaßen der Rockstar des Viktorianischen Theaters, einfach zu übermächtig. Für Abhilfe soll eine Wahrsagerin sorgen, Shakespeares größten Erfolg voraussehen und für die Brüder nutzbar machen. Dumm nur, dass die Dame da etwas falsch versteht und so statt Hamlet ein Stück namens „Omelett“ prognostiziert. Zudem sieht sie eine ganz neue Art von Theaterereignis voraus, welches die Menschen in Zukunft begeistern wird: das Musical! Und so beginnen die Proben für „Omelett“ mit immer neuen Einfällen der Wahrsagerin und selbst der große Meister Shakespeare wird auf die neue Produktion aufmerksam…
So ist „Something Rotten“ (deutsch: Es ist etwas faul…) gleichzeitig Persiflage wie auch Hommage nicht nur auf Shakespeare, sondern auf das Genre Musical, ein buntes Potpourri mit Anleihen sowohl von Shakespeares Werken als auch der größten Musicals aller Zeiten. Es wird getanzt, gesteppt und natürlich gesungen. Absolute Highlights der Show sind Riccardo Greco als William Shakespeare mit deutlichen Starallüren und die US-amerikanische Entertainerin Gayle Tufts als verdrehte Wahrsagerin. Ein großer Spaß und fast schon ein Muss für jeden echten Musicalfan!
Das Musical läuft noch bis 15. August, Restkarten sind für fast alle Vorstellungen verfügbar.
Weitere Infos: www.bad-hersfelder-festspiele.de/programm/something-rotten
Text: Sabine Ulbrich | Foto: Johannes Schembs / BHF
