Die Schule der Frauen: Barocktheater (fast) wie vor 300 Jahren

Im Gothaer Schloss Friedenstein hat sich eines von nur sehr wenigen Barocktheatern mit Original-Bühnenmaschinerie aus dem 17. Jahrhundert erhalten. Jeden Sommer erwacht es mit den Ekhof-Spielen zu neuem Leben. Das Highlight 2026: Molières „Die Schule der Frauen“.

Die Schule der Frauen | Foto: Tobias Kromke / Flashlight
Die Schule der Frauen | Foto: Tobias Kromke / Flashlight

Die Schule der Frauen: Ein Theatererlebnis wie aus der Barockzeit

Das frühbarocke Schloss Friedenstein, erbaut 1643-1654 durch Ernst I. von Sachsen-Gotha, hat die Zeiten weitgehend unverändert überstanden. Auch wenn, wie üblich, in einigen Bereichen die Innengestaltung an die jeweilige Mode angepasst wurde, kann man heute noch viele der repräsentativen Schlossräume in ihrer barocken Pracht bewundern. Ein besonderes Kleinod befindet sich im Westturm der Dreiflügelanlage: Das Ekhof-Theater. Es handelt sich um eines der ältesten erhaltenen Barocktheater mit funktionstüchtiger Bühnenmaschinerie. Gebaut von 1681 bis 1683 erhielt es knapp 100 Jahre später unter Conrad Ekhof als eines der ersten deutschen Hoftheater ein festes Ensemble.


Ekhof-Spiele erwecken historische Bühne zum Leben

Seit 1996 würdigt man diese Geschichte mit den Ekhof-Festspielen, die jährlich in den Sommermonaten stattfinden. Insbesondere barocke Stücke werden hier – zumindest im Bezug auf Bühnenbild und Kulissen – originalgetreu aufgeführt. 2026 hat sich die Stiftung Schloss Friedenstein Gotha, die das Festival veranstaltet, Molières „Schule der Frauen“ als Hauptstück ausgewählt. Die Komödie von 1662 hat bis heute nichts an Reiz und Humor verloren, auch wenn ein heutiges Publikum sicherlich mit anderem Blickwinkel auf die Beziehung zwischen Mann und Frau schaut und die Inszenierung mit einigen modernen Einwürfen daherkommt. In der Hauptrolle des zynischen Arnolphe brilliert Alexander Beisel, ihm zur Seite stehen Jasper Middendorf mit einer grandiosen Darstellung der jungen unschuldigen und zutiefst naiven Agnès und Nils Bannert als heißblütiger und verliebter Horace. In zwei Nebenrollen sind Laiendarsteller zu sehen, die ganz herzerwärmend die naive, aber gutherzige Dienerschaft darstellen.


Die Bühne als eigentlicher Hauptdarsteller

Der wahre Hauptdarsteller ist jedoch die Bühne selbst. In dem kleinen Theater mit gerade einmal 165 Sitzplätzen knarzen die Dielen, auf der Bühne ebenso wie im Zuschauerraum. Jeder Kulissenwechsel wird durch ein Läuten angekündigt. Die ganze Gestaltung – Zuschauerraum, Proszenium, Vorhang, jede Kulisse, Soffitte und jeder Hintergrund – sorgfältig von Hand gemalt. Bühnenbilder, die nicht für das Stück geschaffen wurden, sondern als Satz an Standardausstattung für jedes Stück herhalten mussten. Beleuchtung von unten und von der Seite – nicht von oben, wie heutzutage in den Theatern üblich. Kulissenschieber unterstützen die Maschinerie und werden Teil der Inszenierung, selbst die Soufflage wird in die Handlung einbezogen. Das ist sicher nicht original barock, aber sehr einzigartig und ein echtes Erlebnis für jeden Theaterliebhaber.

Allein dafür lohnt ein Besuch im Ekhof-Theater, für diese Inszenierung nach Molière lohnt es sich doppelt. Verdienter Applaus am Ende und es bleibt die Hoffnung, dass solche Erlebnisse noch lange möglich sein werden.

„Die Schule der Frauen“ ist noch bis 8. August im Ekhof-Theater, Schloss Friedenstein, Gotha, zu erleben.

Mehr Infos: www.ekhof-festival.de

Text: Sabine Ulbrich | Foto: Tobias Kromke / Flashlight

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