Wenn Tod und Teufel im Erzgebirge um Jedermann ringen

Das Eduard-von-Winterstein-Theater Annaberg-Buchholz inszeniert den „Jedermann“ neu. Die modernisierte Variante versetzt das Stück ins Erzgebirge, fügt Mundart und Musik und ein wenige „Faust“ hinzu und schafft so ein ganz neues Erlebnis für den alten Stoff.

Der erzgebirgische Jedermann im Erzgebirge

Bereits seit vielen Jahren gehört das Stück von Hugo von Hofmannsthal zum festen Repertoire des Annaberger Theaters. Jedes Jahr im Sommer wurde es auf dem Platz neben der Annenkirche aufgeführt. In diesem Jahr hat sich das Theaterteam jedoch etwas neues einfallen lassen: „Der erzgebirgische Jedermann“ von Jan Holtappels verlegt die Handlung ins Erzgebirge. Als Erzähler dient ein Chor, der die Geschichte in Mundart vorträgt. Und noch etwas verändert Holtappels: der Teufel bekommt eine wesentlich größere Rolle, agiert fast schon gleich einem Mephisto aus Goethes „Faust“ und „borgt“ sich gleich noch ein paar Verse von selbigem.

Reichtum, Tod und ein Pakt mit dem Teufel

Also worum geht es? Jedermaa ist ein reicher Mann, interessiert nur an sich selbst und der Vermehrung des eigenen Reichtums. Gott schickt den Tod, um Jedermaa zu holen und vor das himmlische Gericht zu stellen. Der Teufel, der einst einen Pakt mit den Menschen im Erzgebirge geschlossen hatte und ihnen im Tausch gegen eine Seele Reichtum gebracht hatte, wurde von den Menschen ausgetrickst in den unendlichen Schächten der Bergwerke eingesperrt. Durch einen Trick konnte er entkommen und fordert nun die Seele ein – es soll die von Jedermaa werden. Während nun also Jedermaa versucht, Fürsprecher für das himmlische Gericht zu finden, übt sich der Teufel fleißig als Verführer, um Jedermaas Seele endgültig zu verderben. Und fast scheint es so, als würde ihm dies gelingen, denn niemand möchte für Jedermaa einstehen – nicht die Freude, nicht die Geliebte, nicht der schnöde Mammon und auch nicht die Tradition oder der Fortschritt.

Der erzgebirgische Jedermann im Erzgebirge

Zwischen Diabolik und Lokalhumor

Das Ensemble ist großartig besetzt. Marvin Thiede mimt seinen Jedermaa erst als arroganten Widerling, später als verzweifelten Bittsteller ausgesprochen überzeugend. Marie-Louise von Gottberg gibt den als Tod ein kalkuliert-kühles Auftreten, kein furchteinflößender Sensenmann sondern eher ein geschäftstüchtiger Auftragskiller. Kerstin Maus Darstellung des Teufels ist durchdringend-diabolisch, brillant gespielt, hinterlistig und doch menschlich, fast gönnt man ihr den Sieg. Für Lokal-Insider wird vor allem die Besetzung des Bürgermeisters ein kleines Schmunzeln hervorrufen – kandidierte Heinz-Michael Kirsten doch einst tatsächlich für eben dieses Amt in Oberwiesenthal.

Ein Klassiker mitten im Erzgebirge

Und so ist diese Inszenierung nicht nur für Erzgebirgs-Kenner oder Jedermann-Fans ein Erlebnis. Jan Holtappels Inszenierung bringt den Stoff näher zu den Menschen ins hier und jetzt, lässt ihn echter wirken, weniger philosophisch. Auch wenn die Vorstellungen 2026 bereits vorüber sind – nächsten Sommer soll er zurückkehren.

Text: Sabine Ulbrich | Fotos: Dirk Rückschloß/Pixore Photography

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