
Die Eisriesenwelt Werfen begeistert Besucher aus aller Welt
Hoch über dem Salzachtal, eingebettet zwischen den schroffen Felswänden der Tennengebirge, befindet sich eines der beeindruckendsten Naturwunder Österreichs: die sogenannte „Eisriesenwelt“ bei Werfen. Mit rund 42 Kilometern Gesamtlänge gilt sie als größte Eishöhle der Welt und zieht jedes Jahr bis zu 250.000 Besucher an. Schon die umliegende Berglandschaft vermittelt eine besondere Atmosphäre und lässt vorsichtig erahnen, welche faszinierende Welt sich im Inneren des Berges verbirgt.

Schroffe Hänge und felsige Berglandschaften
Bereits die Anreise gehört für viele Besucher zum Erlebnis dazu. Von der Marktgemeinde Werfen aus führt der Weg zunächst hinauf zur Bergstation, wo die entsprechenden Tickets, wenn nicht zuvor schon online-, dann hier endgültig erworben werden können. Während der kurvenreichen ca. 10-minütigen Fahrt eröffnet sich ein weiter Blick nicht nur über das Salzachtal und die umliegenden Gipfel der Alpen, sondern auch auf die Burg Werfen, die als eine der ältesten Bergfestungen auch heute noch ein begehrtes Ausflugsziel für tausende Gäste ist. Nach der Bergstation gelangen Besucher über einen Fußweg, wahlweise am Rande des Massivs entlang, oder aber etwas kürzer durch den „Erika-Stollen“ weiter zur Seilbahn, die als eine der steilsten Bahnen in ganz Österreich gilt. Von hier führt wiederum ein gut zwanzig Minuten dauernder Fußweg durch den bis 2024 in den Fels getriebenen „Barbarastollen“ in Richtung Höhleneingang. Der recht steile Weg führt vorbei an schroffen Hängen und felsigen Berglandschaften. Besonders an klaren Tagen bietet sich dort ein beeindruckendes Panorama.
Am Eingang der Höhle schlägt den Besuchern selbst während der Sommermonate bereits kühle bis kalte Luft entgegen. Um die Temperatur im Inneren des Stollens möglichst nicht über Null Grad ansteigen zu lassen, ist der Eingang zur Eisriesenwelt mit entsprechenden kühlkammerähnlichen Türen verschlossen. Im Inneren herrschen allerdings ganzjährig Temperaturen rund um den Gefrierpunkt, weshalb warme Kleidung und festes Schuhwerk dringend empfohlen werden. Während der Führung erhalten die Gäste an historische Karbidlampen angelehnte elektrische Grubenlampen, deren Licht die Eisformationen in einer besonderen Atmosphäre erscheinen lässt. Schritt für Schritt führt der Weg tiefer hinein in die geheimnisvolle Welt aus Eis und Stein. Die Kombination aus Dunkelheit, Stille und glitzernden Eisflächen sorgt dabei für eine besondere Atmosphäre.

Besonders bekannt ist die sogenannte „Posselthalle“, die nach dem Salzburger Höhlenforscher Anton Posselt benannt wurde. Er gehörte Ende des 19. Jahrhunderts zu den ersten Menschen, die die Höhle wissenschaftlich erforschten. In diesem Bereich der Höhle ragen gewaltige Eisformationen empor, die an gefrorene Wasserfälle oder riesige Kristalle erinnern. Das Licht der Lampen spiegelt sich in den Eisflächen wider und lässt die Wände eindrucksvoll schimmern. Immer wieder eröffnen sich neue Perspektiven auf bizarre Gebilde, die durch Wasser, Kälte und die immer wieder spürbaren Luftströmungen entstanden sind.
Die Eisformationen verändern sich ständig und machen jeden Besuch einzigartig. Während der kalten Wintermonate werden die Türen im Eingangsbereich geöffnet. Dadurch strömt eisige Luft tief in die Höhle hinein und lässt durch das Gestein permanent eindringendes Wasser gefrieren. Je nach Außentemperatur werden die Türen dann ab Mitte März wieder geschlossen, um die wärmere Frühlingsluft „außen vor“ zu halten. In den wärmeren Monaten beginnen dennoch einzelne Bereiche langsam wieder zu schmelzen und verändern dadurch ihr Aussehen. Dieses Zusammenspiel der Naturkräfte macht die Eisriesenwelt besonders faszinierend.
Gute Kondition ist gefragt
Die Führung durch die Höhle umfasst knapp zwei Kilometer sowie mehr als 700 Stufen und verlangt den Besuchern durchaus etwas Kondition ab. Aufgrund der vielen Stufen und Steigungen bis zu 45 Grad ist dieses Naturschauspiel definitiv nicht barrierefrei zu genießen und entsprechende Hinweise, auch in Hinblick auf etwaige Besucher mit Herz-Kreislaufschwäche sind sowohl online als auch im Eingangsbereich gut sichtbar angebracht. Für die Gäste allerdings, die sich auf den gut einstündigen Marsch (inklusive Seilbahn) machen, lohnt sich der Weg allemal, denn hinter nahezu jeder Biegung eröffnet sich ein neuer beeindruckender Blick auf Eiswände, Säulen oder weitläufige Hallen. Neben ihrer touristischen Bedeutung besitzt die Eisriesenwelt auch einen hohen wissenschaftlichen Wert. Der Schutz dieses empfindlichen Naturraums spielt deshalb eine wichtige Rolle.

Die Eisriesenwelt bei Werfen zählt damit zu den außergewöhnlichsten Natursehenswürdigkeiten Österreichs. Die Mischung aus imposanter Alpenlandschaft, geheimnisvoller Atmosphäre und einzigartigen Eisformationen sorgt dafür, dass der Besuch vielen Menschen lange in Erinnerung bleibt. Die größte Eishöhle der Welt zeigt eindrucksvoll, welche faszinierenden Kräfte die Natur hervorbringen kann.
Weitere Informationen und Eintrittspreise: www.eisriesenwelt.at
Text: Anika Bretschneider / Stephan Trutschler
Fotos: Stephan Trutschler


