
Ab sofort kann man im Vogtland ein echtes Berliner Original erleben. Das Theater Plauen-Zwickau inszeniert Paul Linckes Operette „Frau Luna“ mit bekannten Melodien, viel Schwung und märchenhaftem Bühnenbild.
Der Hintergrund
Zu Ende des 19. Jahrhunderts schien der Fortschritt unaufhaltsam. Dampfmaschinen brachten die Industrialisierung bis ins kleineste Dorf und beschleunigten den Lebensrhythmus dadurch deutlich. Der Mensch hatte mittels Heißluftballon den Himmel erobert und Graf Zeppelin arbeitete an seiner Idee vom lenkbaren Luftschiff. Selbst eine Reise zum Mond schien plötzlich möglich. Andererseits zog es immer mehr Menschen in die großen Städte wie Berlin, Wohnraum war knapp.
Eine strapaziöse Reise zum Mond
In genau dieses Szenario versetzt Paul Lincke seine Figuren. Der Berliner Mechaniker Fritz Steppke baut an einem Expressballon, um gemeinsam mit seinen zwei besten Freunden zum Mann im Mond zu fliegen, um mit ihm wegen freiem Wohnraum zu verhandeln. Dumm nur, dass einer dieser Freunde der Mann seiner Vermieterin Frau Pusebach ist und diese so gar nicht mit dem Plan der Männer einverstanden ist. Schließlich soll Steppke ja auch ihre Nichte Marie heiraten. Da sie die Mondreise jedoch nicht verhindern kann, reist sie kurzerhand mit. Doch statt auf den Mann im Mond trifft man dort auf eine illustre Gesellschaft aus Sternen und Göttern, angeführt von Frau Luna, der Mondgöttin. Und Frau Pusebach erkennt in Frau Lunas Haushofmeister Theophil eine alte Liebschaft wieder, der sie einst hatte sitzen lassen. Frau Luna findet Gefallen an Steppke, was wiederum bei ihrem Verehrer Prinz Sternschnuppe zu Kurschlussreaktionen führt. Nach etlichen Turbulenzen stellen die Mondreisenden fest, dass es auf dem Mond doch auch nicht so viel besser ist und kehren zur Erde zurück.

Die Evergreens in Frau Luna
Dass Komponist Paul Lincke seinen Ursprung in der Militärmusik hat, ist an Titeln wie „Berliner Luft“ unschwer zu erkennen. Und doch beherrscht er auch die verträumten, leisen Töne und den aus der Operette nicht wegzudenkenden Wiener Walzer. Mit „Schlösser, die im Monde liegen“ schuf er einen ebenso unvergesslichen Evergreen wie mit der berühmten Berliner Luft. Eingebettet wird das Stück in eine nahezu märchenhafte Ausstattung, geschaffen von Ella Späte. Sowohl die engen, schiefen Gassen der nächtlichen Berliner Hinterhöfe als auch die glitzernde schwarz-weiße Mondwelt, die an die schillernde Zeit der 1920er Jahre erinnert, geben dem Stück einen wundervollen Rahmen.
Die Solisten sind hervorragend für ihre Rollen ausgewählt, stimmlich absolut überzeugend. Ein ganz besonderer Kunstgriff gelang dem Ensemble des Musiktheaters, indem es sich für die Rolle der Frau Pusebach eine Kollegin aus dem Schauspiel „borgte“. Claudia Lüftenegger verleiht der Figur nicht nur eine unverwechselbare Stimme, die man im Musiktheater so nicht finden würde, sondern auch die typische „Berliner Schnauze“, mit der Lincke den Typus der Berliner Operette überhaupt erst begründete. Herzlich, komisch, sehenswert!
Der Spielplan für die nächste Saison wurde leider noch nicht veröffentlicht, aber das Stück wird im Vogtland-Theater auf jeden Fall wieder gespielt.
Text: Sabine Ulbrich
Fotos: André Leischner
Mehr Informationen zum Stück unter: www.theater-plauen-zwickau.de


