Georges Bizets „Carmen“ am Staatstheater Brünn – warum eigentlich nicht?

Internationaler geht es kaum: eine französische Oper, die in Spanien spielt, aufgeführt in Brünn/Brno durch überwiegend tschechische Darsteller, in französischer Sprache mit tschechischen, englischen und deutschen Übertiteln. Ein Erlebnis der besonderen Art.

Georges Bizets „Carmen“ am Staatstheater Brünn
Georges Bizets „Carmen“ am Staatstheater Brünn. Foto: Národní divadlo Brno

Bei einer Städtereise hat man es meist auf die großen Sehenswürdigkeiten abgesehen. Oft gehören Opernhäuser und Theater dazu. In vielen werden Führungen angeboten, damit Touristen die Häuser auch von innen erleben können. Doch viel zu selten besuchen diese Touristen auch Vorstellungen dieser Bühnen. Grund dafür ist häufig die Sprachbarriere. Warum sollte man sich ein Theaterstück ansehen, das in einer Sprache aufgeführt wird, die man nicht oder nur ungenügend beherrscht?

Bei Opern jedoch liegt der Fall anders. Sie werden ohnehin meist in der Originalsprache aufgeführt, die nicht immer der Landessprache entspricht und aufgrund der schwierigen Melodieführung ist das Verstehen der Texte häufig selbst in der eigenen Sprache eher schwierig. Opernführer oder Programmheft und seit ein paar Jahren digitale Textanzeigen, die in vielen Theatern über der Bühne oder am Platz angebracht wurden, sind da eine große Hilfe. Also warum nicht auch mal eine Oper im anderssprachigen Ausland ansehen?

Das Staatstheater Brno, auch Janáček-Theater genannt, eröffnet 1965, ist nicht unbedingt eine Sehenswürdigkeit. Kann die Stadt doch mit weitaus älteren und bedeutenderen Attraktionen begeistern, als mit diesem Theater, das von innen anderen sozialistischen Theaterbauten wie der Oper Leipzig oder dem Kulturpalast Dresden nicht unähnlich ist. Klanglich jedoch überzeugt das Haus. Selbst auf den seitlichen Plätzen sind sowohl Orchester als auch Sänger hervorragend zu hören und der Raumklang ist perfekt  – und dies ganz ohne Mikrofon und Verstärker. 

Staatstheater Brünn
Staatstheater Brünn. Foto: Sabine Ulbrich

Nun zur Oper. „Carmen“ steht auf dem Programm. Entgegen der Ankündigung auf der auch in deutscher Sprache verfügbaren Homepage des Theaters werden die Übertitel nicht nur in Englisch und Tschechisch, sondern sogar in Deutsch angeboten. Zwischen jedem der drei Akte gibt es eine Pause von 20 Minuten. Ungewöhnlich, aber das Bühnenbild macht es notwendig. Für jeden Akt wird umgebaut, hinter dem Vorhang wird eifrig geschraubt und gehämmert.

Der Aufwand lohnt sich. Die aus hölzernen Transportkisten gezimmerten Räume, auf einer Drehbühne gelagert, geben die Handlungsorte perfekt wieder, erlauben Perspektiven von innen und außen und repräsentierten vor allem im ersten Akt perfekt die gegensätzlichen Welten der beiden Protagonisten. Innen die militärische Amtsstube der Männer. Geordnet, geregelt, aufgeräumt. Außen die Straße und die Tabakfabrik, in der die Frauen arbeiten, unter ihnen Carmen. Freier, wilder, ohne Regeln. Dieser Zwiespalt spitzt sich im Verlauf des Stücks stetig zu und führt schließlich zum tragischen Ende.

Zwischendrin große Melodien, von fantastischen Stimmen getragen und hervorragend gespielt von einer durchweg grandiosen Darstellerriege. Ein Erlebnis, dass Gänsehaut verursacht und die Aufführungsdauer von insgesamt drei Stunden vergessen lässt. Wohl auch deshalb steht das Stück seit Jahren im Spielplan und wird regelmäßig aufgeführt. Also beim nächsten Besuch der Stadt vorsichtshalber auch einen Blick ins Theaterprogramm werfen. Es lohnt sich!     

Mehr Infos zum Stück unter: https://www.ndbrno.cz/de/opera/carmen/

Text: Sabine Ulbrich
Fotos: Sabine Ulbrich | Národní divadlo Brno

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