Schaurig-schön schwelgen beim „Schimmelreiter“ im Schlosstheater Fulda

Diesen Sommer liegt die Nordsee im Herzen Deutschlands. Theodors Storms Novelle „Der Schimmelreiter“ erobert als Mystery-Musical die Theaterbühne und begeistert visuell und klanglich das Publikum um Fuldaer Schlosstheater.

Der Schimmelreiter | Foto: Sophia Walkenhorst / Spotlight Musicals
Der Schimmelreiter | Foto: Sophia Walkenhorst / Spotlight Musicals

Ein Klassiker als Mystery-Musical neu erzählt

Im April 1888 veröffentlichte Theodor Storm – nur wenige Monate vor seinem Tod – seine Novelle „Der Schimmelreiter“. Noch heute steht sie auf der Lektüreliste vieler Schulen und Generationen von Kindern lernten über die Geschichte von Hauke Haien, der als Deichgraf den Bau der Deiche revolutionierte, aufgrund seiner modernen Ideen und seines gespenstischen weißen Pferdes jedoch den Argwohn der Bevölkerung auf sich zog. Und darüber, wie er sich selbst und seinen Schimmel in die Fluten stürzte, nachdem seine Frau und sein Kind bei einem Deichbruch ums Leben kamen. Noch heute, so heißt es, sieht man ihn des Nachts bei Sturmlagen über die Deiche reiten.


Nordsee-Flair und mystische Bühnenwelten

Nordseeküste, Wattlandschaft, Deiche, Sturmfluten und ein Pferd – nicht unbedingt eine einfache Szenerie für ein Musical, insbesondere, wenn dieses auf einer klassischen Indoor-Bühne gezeigt werden soll. Und doch hat man sich in Fulda genau diesen Stoff ausgesucht für die diesjährige Ausgabe des Musical-Sommers. Herausgekommen ist eine Weltpremiere, ein Mystery-Musical aus der Feder von Dennis Martin, kreativer Kopf der Spotlight-Musicals, die organisatorisch hinter dem Musical-Sommer in Fulda stehen. Eine aufwändige Ausstattung sorgt für die passende Stimmung auf der Bühne. Bühnenbild, Kostüme, Kulissen, Licht, Ton – alles ist perfekt arrangiert, um sowohl die folkloristische Welt der Deichbewohner, die opulente Residenz des Deichgrafen als auch die mystische Gewalt der Natur in Szene zu setzen.

Das Ensemble auf der Bühne ist bis hin zu den Kinderdarstellern stark besetzt. Mit Sascha Kurth und Dennis Henschel kehren zwei Gesichter ins Schlosstheater zurück, die bereits bei vorherigen Produktionen Hauptrollen übernommen hatten. Auch die weiteren Darstellerinnen und Darsteller bringen durchgehend reichlich Musical-Erfahrung mit, wodurch Tanz, Gesang und Darstellung zu einer überzeugenden Performance verschmelzen.


Ein Pferd als spektakulärer Hauptdarsteller

Für das Pferd des Deichgrafen wurde der international renommierte Puppengestalter Roger Titley verpflichtet. Das von ihm erschaffene und von drei Puppenspielern animierte Wesen könnte nur realistischer sein, hätte ein echtes Pferd auf der Bühne gestanden. Schlussendlich rundet die ergreifende Musik, vollständig für dieses Stück neu komponiert, das Gesamterlebnis ab und sorgt für Gänsehautmomente. Die einzelnen Lieder fügen sich wunderbar organisch in die Handlung ein, treiben diese voran.

Kombiniert mit schnellen und nahezu übergangslosen Szenenwechseln wird der Handlungsstrang so nie unterbrochen, die Spannung baut sich kontinuierlich auf bis zum visuellen und inhaltlichen Höhepunkt des Stücks – der Moment, in dem Hauke und sein Schimmel von den Fluten erfasst werden – tragisch, ergreifend und unglaublich magisch anzusehen. Das Musical hinterlässt so einen schaurig-schönen Eindruck und macht Lust auf weitere Produktionen aus dem Hause Spotlight Musicals.

Hauke Haien reitet noch bis zum 6. September in Fulda. Vom 12. Dezember bis 3. Januar 2027 ist das Stück dann im Theater Hameln zu sehen.

Weitere Infos: www.spotlight-musicals.de

Text: Sabine Ulbrich | Foto: Sophia Walkenhorst / Spotlight Musicals

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