Der Schmetterling fliegt in Annaberg      

Am 10. Oktober 2026 fand am Eduard-von-Winterstein-Theater Annaberg-Buchholz die Uraufführung des neuen Stücks „Schmetterling“ von Daniel Behle statt und bringt nicht nur eine humorvolle Betrachtung der Welt hinter der Bühne und Musik mit Ohrwurm-Potential, sondern auch tiefe philosophische Gedanken. 

Bühnenszene aus der Operette Schmetterling von Daniel Behle am Eduard-von-Winterstein-Theater Bildtitel
Die Operette „Schmetterling“ von Daniel Behle feierte am 10. Oktober 2026 in Annaberg-Buchholz ihre Uraufführung.

Die Operette hat ihren festen Platz im Musiktheater. Doch meist sind es alte Stücke, von Strauß, Lehar oder Kalman, mit bekannten Melodien und noch bekannteren Inhalten, die zur Aufführung gebracht werden. Selten findet eine Uraufführung statt, die bewusst dieses Genre bedient. Doch genau geschah jetzt in Annaberg-Buchholz. Daniel Behles neues Stück „Schmetterling“ erlebte seine Uraufführung, aufgrund von Widrigkeiten im Straßenverkehr mit einer halbe Stunde Verspätung. Hat sich das Warten gelohnt? Definitiv!

Das gleiche künstlerische Team, das bereits 2023 die Operette „Hopfen & Malz“ auf die Annaberger Bühne gebracht hatte, holt zu Streich Nummer zwei aus. Von Komponist Daniel Behle stammt auch das Libretto, das er gemeinsam mit Alain Claude Sulzer verfasst hat. Für die Inszenierung zeichnet Jasmin Solfaghari verantwortlich, für die Ausstattung Walter Schütze. Einzig die musikalische Leitung durch Bruno Borralhinho ist neu, ab der Spielzeit 2026/27 ist er der neue Musikdirektor am Haus.

Das Stück gliedert sich in drei Akte, die den Lebensphasen eines Schmetterlings entsprechen und gleichzeitig eine Reise durch die Zeit darstellen. Durch diese leitet die Figur der Uhrmacherin das Publikum, als verbindendes und erläuterndes Element. Der erste Akt spielt Mitte des 19. Jahrhunderts an einem Theater. Die Oper „Der Schmetterling“, das grandiose Werk des Großvaters des Theaterprinzipals, soll aufgeführt werden. Doch die Partitur des Tenors entpuppt sich als unsingbar, dem verzweifelten Inszenierungsteam sterben reihenweise die Tenöre weg, und werden, um kein Aufsehen zu erregen, heimlich im Wald verscharrt. Der zweite Akt spielt im hier und jetzt. Am gleichen Theater versucht Theaterprinzipal Franz erneut, die Oper „Schmetterling“ zu inszenieren. Doch auch jetzt scheint das Schicksal einen ähnlichen Verlauf zu nehmen. Die letzte Hoffnung ist der junge Tenor Peter, der sich Hals über Kopf in die Sopranistin Petra verliebt. Doch schlussendlich erliegt auch er dem Fluch der Oper. Dritter Akt: in einer dystopischen Zukunft leben die Menschen ohne Freude, ohne Farbe und ohne Kreativität. Doch die Wiederentdeckung der Partitur des „Schmetterling“ bringt die Farbe zurück in die Welt. Wird es diesmal gelingen?

Der besondere Witz des Stücks liegt vor allem in der humorvollen Betrachtung der Geschehnisse hinter der Bühne. Das Kreativteam hat hier sicher eigene Erfahrungen eingebracht. Der enorme Druck, der auf jeder Neuinszenierung liegt, hier etwas Einzigartiges, Überragendes zu schaffen, die sicher nicht immer nachvollziehbaren Entscheidungen der Theaterleitung und nicht zuletzt die Beziehungen der Mitwirkenden untereinander werden hier humorvoll persifliert. Die Musik hat definitiv das Zeug dazu, zum Ohrwurm zu werden. Jeder, der an diesem Abend das Theater verlässt, singt auf dem Heimweg im Kopf entweder das Einführungslied des Tenors „Ich bin der Peter“ oder die Hymne des Theaterdirektors Franz „Ich bin ein Trans, Transsilvanier“. Der Cast, stimmlich unglaublich gut besetzt mit Angus Simmons als Franz, Malina Höfflin als dessen Assistentin, Theo Rohde als Peter und Zsófia Szabó als Petra, spielt mit sichtbarer Freude und Vergnügen und auch dem Orchester merkt man die Freude an, mal ein paar neue Noten spielen zu dürfen. Definitiv eine Empfehlung. Wer den Schmetterling fliegen (oder singen) sehen will, sollte die Reise nach Annaberg antreten.

Weitere Infos: www.erzgebirgische.theater

Text: Sabine Ulbrich

Fotos: Dirk Rückschloß/Pixore Photography

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