Valencia hat mehr zu bieten als Strand und Altstadt. Die spanische Großstadt gilt als Wiege der Paella – und sie entwickelt Tapas weiter. Dazu gibt es eine riesige Parkanlage, die europaweit ihres Gleichen sucht.

Spanien-Touristen haben oft Barcelona oder Madrid auf ihren Bordkarten stehen. Immer mehr entdecken jetzt jedoch auch Valencia für sich. Die 840.000-Seelen-Stadt bietet eine gute Mischung aus der spanischen und katalanischen Hauptstadt: Nicht nur, dass Valencia wie Barcelona am Mittelmeer liegt, sie hat eine reiche Geschichte wie Madrid und überzeugt zudem mit unzähligen Möglichkeiten, die spanische Küche zu genießen.
Das Land auf der Iberischen Halbinsel ist das Ursprungsland der Tapas. So wundert es nicht, dass es an gefühlt jeder Straßenecke die kleinen Häppchen in den verschiedensten Ausführungen gibt. Das Highlight ist Zweifelsohne die valencianische Spezialität Patatas Bravas: Kartoffeln werden frittiert und mit Allioli (Knoblauchmayonnaise; nicht zu verwechseln mit Aioli) und Paprikaöl serviert. In vielen Lokalen gibt es den Klassiker zusammen mit feinem Jamón serrano, also luftgetrocknetem Schinken, und Spiegeleiern.
Wer sich damit gestärkt hat, ist bestens vorbereitet für eine Erkundungstour der bezaubernden Altstadt. Diese ist keine zwei Quadratkilometer groß, was sie perfekt zu Fuß erkundbar macht. Vom nördlichen zum südlichen Ende der Altstadt läuft man entspannt 20 Minuten. Wer ein wenig bummeln oder shoppen will, kann aber auch gut und gern den ganzen Tag in der Altstadt zubringen. Historische Architektur geht in dem Teil der Stadt Hand in Hand mit moderner Kultur.
Besonders sehenswert ist beispielsweise die Kirche San Nicolás. Das Gotteshaus wird so schon als Sixtinische Kapelle Valencia gehandelt. Detailreiche Malereien an Wänden und der Decke des Kirchenschiffs machen deutlich, warum. Doch seit Kurzem glänzt das Haus mit einer imposanten Lichtshow. Zu jeder vollen Show projizieren mehrere Hochleistungsbeamer eine immersive Show in das Gewölbe, die die Geschichte der Pfarrei kurzweilig verdeutlicht. Dafür kassiert die Kirche zwar satte 16 Euro Eintritt. Doch das Spektakel ist sehenswert, und zwischen den Vorführungen kann man die Besonderheiten dieser im Jahr 1238 geweihten Kirche durch einen Audioguide (im Preis enthalten) näher kennenlernen.
Nach dem ausgedehnten Stadtspaziergang darf natürlich eines nicht fehlen: Eine gute Paella. Das Reisgericht, das typischerweise mit Gemüse und Fleisch oder Meeresfrüchten komplettiert wird, stammt aus der Region Valencia. Manche Tourismusführer bieten Ausflüge zum Naturpark Albufera an, wo das Gericht erfunden worden ist. Wer nicht ganz so viel Zeit hat, findet aber recht bedenkenlos selbst in Valencia viele Anlaufstellen für eine gute Paella. Nach dem Abendessen empfiehlt es sich, den Straßenmusikern in der Altstadt Gehör zu schenken und vielleicht an geeigneter Stelle noch eine Sangria (besteht original aus Rotwein, frischen Früchten, Fruchtsaft und einem Schuss einer Spirituose, oft Rum oder Brandy) oder ein Agua de València zu trinken. Letzteres ist ein regional typisches Spritzgetränk aus frisch gepresstem Orangensaft, Cava, Gin und Wodka.
Der nächste Tag startet mit einem leckeren Bocadillo – einem Sandwich – mit lokalem Schinken und Käse in der Markthalle (Mercat Central) in der Altstadt. Dort gibt es auch andere feine Backwaren, frischen Schinken, Obst und Gemüse für zu Hause und vieles mehr. Wer den „Jardín del Turia-Park“ entdecken will, sollte aber nicht zu lange in dem Schlemmerparadies verweilen. Ganze neun Kilometer ist der Grünzug lang, der sich durch halb Valencia zieht. Dort gibt es Möglichkeiten zum Entspannen fernab des Großstadtdschungels, Möglichkeiten zum Sporttreiben und hin und wieder Musikveranstaltungen. Im Osten des grünen Bandes befindet sich zudem die „Stadt der Künste und Wissenschaften“ mit ihren weißen Calatrava-Bauten, dem Aquarium und einem großen Palmengarten. Die Museen stehen Besuchern offen.
Vom östlichen Ende des Grünzugs ist es nur ein Katzensprung zum Hafen und Strand Valencias, wo der Abend in einem guten Fischrestaurant oder auf dem Wasser enden kann. Mehrere Anbieter fahren zum Sonnenuntergang mit kleinen Segelbooten oder Katamaranen aufs Mittelmeer heraus. Die Touren dauern etwa eine bis zweieinhalb Stunden und kosten meist zwischen 30 Euro und 80 Euro pro Person. Wer keine Lust auf einen Strandbesuch hat, kann wunderbar Russafa entdecken gehen. Das Kneipenviertel erwacht erst am Abend zum Leben und liegt perfekt zwischen dem grünen Band und der Altstadt.
Die Stadt hat ein gut ausgebautes ÖPNV-Netz, was es ganz einfach macht, sich überwiegend zu Fuß fortzubewegen und spontan in Bus oder Bahn zu steigen, wenn man eine Pause von den langen Wegen zwischen den Stadtteilen braucht. Uber und Bolt sind noch nicht so teuer wie stellenweise anderswo. Fahrräder zum Ausleihen stehen am Straßenrand – doch Obacht: Zugriff auf die Räder der größten Flotte gibt’s nur mit Abo. Auch sind Radwege oft nicht gut ausgebaut oder ersichtlich. Wer sich unsicher fühlt, sollte besser nicht in Valencia radeln.
Text/Fotos: Max Patzig










