
Die deutsche Gastronomie steht seit Jahren unter Druck. Steigende Kosten, sinkende Kaufkraft und eine spürbare Zurückhaltung der Gäste belasten viele Restaurants, Cafés und Gaststätten. Zahlreiche Betriebe kämpfen ums wirtschaftliche Überleben, manche verschwinden ganz vom Markt. Branchenexperten beobachten dabei einen Gastrotrend, der sich zunehmend verschärft. Bestimmte Gästegruppen gehen der Gastronomie dauerhaft verloren.
Gastrotrend zeigt sich in wirtschaftlicher Ungleichheit
Auslöser der aktuellen Debatte ist unter anderem ein viel beachteter Social Media Beitrag des US-amerikanischen Content Creators Dan Harumi. Darin beschreibt er, warum wirtschaftliche Ungleichheit auch für Restaurants zum Problem wird. Entscheidend sei nicht allein, wie viel Vermögen vorhanden ist, sondern wie breit Wohlstand verteilt ist und ob Menschen im Alltag noch genug Geld zum Konsumieren haben.
Auch in Deutschland zeigt sich diese Entwicklung deutlich. Zwar ist das Geldvermögen privater Haushalte laut Deutsche Bundesbank bis 2025 auf rund 9,5 Billionen Euro gestiegen, gleichzeitig bleibt die Einkommensungleichheit hoch. Der Gini Index lag 2024 bei 29,5 Punkten. Für die Gastronomie hat das direkte Folgen. Viele Menschen planen ihre Ausgaben deutlich bewusster als noch vor einigen Jahren. Das zeigt sich besonders beim Essengehen. Laut einer Auswertung des Instituts für Demoskopie Allensbach gingen 2025 rund 8,83 Millionen Menschen in Deutschland nach eigener Aussage nie essen. 2019 lag dieser Wert noch bei 7,44 Millionen. Gleichzeitig stagniert die Zahl regelmäßiger Restaurantbesucher seit Jahren. In der Branche wird dieses Verhalten häufig als Downtrading bezeichnet. Gäste kochen häufiger zuhause oder greifen eher zu günstigeren Angeboten wie Imbiss, Lieferdiensten oder Convenience Produkten. Besonders die klassische Mittelschicht Gastronomie gerät dadurch zunehmend unter Druck.
Hohe Kosten steigern die Sorge
Hinzu kommen die stark gestiegenen Ausgaben für Energie, Lebensmittel, Mieten und Personal. Der Verbraucherpreisindex für Beherbergungs- und Gaststättendienstleistungen stieg von 100 Punkten im Jahr 2020 auf 126,9 Punkte im Jahr 2024. Viele Betriebe sehen sich deshalb gezwungen, Preise regelmäßig anzupassen, obwohl gleichzeitig die Sorge wächst, weitere Gäste zu verlieren.
Auch nach den Preisanpassungen bleibt die wirtschaftliche Lage vieler Häuser angespannt. Besonders kleinere und familiengeführte Restaurants kämpfen vielerorts mit unsicheren Perspektiven. Die schwierigen Rahmenbedingungen hinterlassen inzwischen auch strukturelle Spuren. Während 2002 noch rund 190.760 gastronomische Betriebe registriert waren, lag die Zahl 2023 nur noch bei etwa 162.363 Unternehmen. Besonders klassische Restaurants geraten unter Druck. Ihre Zahl sank von über 81.000 im Jahr 2009 auf rund 65.900 im Jahr 2023. Gleichzeitig verändert sich die Struktur der Branche. Preisgünstigere Konzepte gewinnen an Bedeutung. Imbissstuben und vergleichbare Betriebe erreichten 2024 mit über zehn Milliarden Euro Umsatz einen neuen Höchstwert. Das zeigt, dass viele Gäste weiterhin außer Haus essen möchten, dabei aber deutlich stärker auf den Preis achten.
Trotz aller Herausforderungen bleibt die Gastronomie ein wichtiger Wirtschaftsfaktor und prägt Innenstädte, Tourismus und gesellschaftliches Leben gleichermaßen. Laut DEHOGA erwirtschaftete das deutsche Gastgewerbe 2023 einen Gesamtumsatz von rund 115 Milliarden Euro. Gleichzeitig zeigt die aktuelle Entwicklung, dass sich die Branche mitten in einem tiefgreifenden Wandel befindet. Wer sich langfristig behaupten will, muss wirtschaftlich stabil arbeiten und zugleich Angebote schaffen, die auch in wirtschaftlich schwierigen Zeiten attraktiv bleiben.
Text: Anika Bretschneider
Foto: pixabay/vinsky2002
