
Mit „Villa Sonnenschein“ bringt die Dresdner Comödie ein außergewöhnliches Musical auf die Bühne, das bereits vor 20 Jahren in Hamburg große Erfolge feierte. Als Darsteller wirken hier neben Menschen auch Puppen, die singen und tanzen.
Die erfolgreiche Villa Sonnenschein
2005 wurde in Hamburg das Schmidt-Theater nach einer Rundumerneuerung mit dem Stück „Villa Sonnenschein“ wiedereröffnet. Das Puppen-Musical hatte Erfolg und wurde jahrelang gespielt. Die Geschichte von Felix, der als Zivildienstleistender in einem Altenheim seine Arbeit beginnt und so ganz andere Vorstellung vom Umgang mit den Heimbewohnern hat als Heimleiterin Mechthild und der neue Arzt Dr. Mathieu, kommt nun also nach Dresden. Da es mittlerweile keine Zivildienstleistenden mehr gibt, beginnt die Vorstellung vorsichtshalber mit einer kurzen Erklärung zur Entstehungszeit des Stücks und dem Hintergrund der Hauptfigur. Die Älteren werden sich ohnehin erinnern, die Jüngeren können, angesichts der aktuellen Debatte um die Wiedereinführung der Wehrpflicht und der damit einhergehenden Diskussion um alternative Dienste, das Prinzip daher sicher auch nachvollziehen.
Damals wie heute die besteht das Problem der Personalknappheit in der Pflege und der daher oft mangelnden Intensität der Betreuung pflegebedürftiger Menschen. So verhält es sich auch im Alterssitz „Villa Sonnenschein“. Am liebsten würden die Leiterin und Dr. Mathieu die Heimbewohner einfach nur ruhigstellen und dafür Geld kassieren. Doch da haben sie die Rechnung ohne Felix und Mechthilds Tochter Melanie gemacht. Und ohne das Heim selbst, denn dieses hat im wahrsten Sinne des Wortes ein Eigenleben. Denn wenn das Personal nicht hinschaut, erwacht alles zum Leben – die Blumen, Stofftiere, der Wildschweinkopf an der Wand, sogar die Wandlampe – und kommuniziert mit den Heimbewohnern.
Die Puppe darf eben mehr
Als Darsteller stehen jedoch nicht nur Menschen auf der Bühne. Während die Heimbewohner Menschen sind und sein dürfen, werden die vier Hauptpersonen – Felix, Melanie, Heimleiterin Mechthild und Dr. Mathieu – durch Klappmaulfiguren dargestellt. Unter und hinter diesen stecken jedoch keine professionellen Puppenspieler, sondern die Musicaltalente Louis Dietrich, Lorena Dehmelt, Charlotte Heinke und Benjamin Sommerfeld. Diese vier hauchen auch abwechselnd dem Haus Leben und Stimme ein.

Natürlich hätte man das Stück auch ohne Puppen inszenieren können. Doch die herrlich überzogenen Charaktere und fast schon karikaturhaften „Bösewichte“ wären in Menschenform wohl etwas zu skurril ausgefallen. Die Puppe darf eben mehr. Und so darf man herzlich über manche Äußerung und die vielen bedienten Stereotypen lachen. Und mit den Heimbewohnern mitfiebern, lachen und weinen. Und sich im Nachgang Gedanken machen, wie man selbst den Lebensabend verbringen möchte und mit viel Würde Menschen behandelt werden sollten, selbst wenn ihr Dasein mittlerweile nicht mehr ganz so würdevoll sein sollte. Comedy mit Tiefgang.
In der Comödie Dresden wieder zu sehen von 10. bis 22. November 2026 und vom 29. Dezember 2026 bis 20. Januar 2027.
Text: Sabine Ulbrich
Fotos: Comödie Dresden / Robert Jentzsch
Mehr Infos zum Stück unter: www.comoedie-dresden.de
